„Das da oben“ plötzlich ganz nah

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Oder anders gesagt „das da unten“ auf einmal ziemlich weit weg.
Das da unten meint nichts anderes als den Bordstein, die Straße, das Gehwegpflaster, eben das Bodenniveau.
Ungefähr 18 Meter thronen wir über dem Boden Berlins auf einem Baugerüst, wir, das sind eine kleine Schar von Bildhauern, die einen Stukkateur bei der Arbeit besuchen wollen.
Trotz eines strengen Marschtempos durch das morgendliche Schöneberg erreichten wir erst mit 20minütiger Verspätung die Wielandstraße.
„Kein Problem“, sagte Herr Reischuck und nach einer kurzen Vorstellung erklärt er handwerklich knapp: „ Denn wolln wa da mal hoch!“ – Hoch? Nicht ins Haus hinein? Nein, das Baugerüst sollten wir hinauf, zu unserem Wohle besaß dies allerdings einen „luxuriösen“ Treppenaufgang, der neuerdings für einen kleinen Aufpreis von „nur“ 2000 € vorschriftsmäßig mit dem Gerüst aufgestellt wird.
Da standen wir nun, wenige Zentimeter vor dem Giebelgesims und bewunderten, der Höhe geschuldet etwas phlegmatisch, die stellenweise arg mitgenommenen Stuckarbeiten im Giebelbereich.
Für uns begann nun eine Fragestunde an den Stukkateurmeister.

Mit großem Interesse füllten die Fragen zur Materialbeschaffenheit und vor allem zur Arbeitstechnik die nächste Dreiviertelstunde und halfen den, bei uns Bildhauern so beliebten Vorlagengeber, besser zu verstehen.
Besonders ungläubig wurde, erst nach mehrmaligem Nachfragen,  zur Kenntnis genommen, dass die meisten figürlichen Stuckarbeiten freihand und ohne Modell gearbeitet worden waren. Auch wurde einem erst klar, wie schwierig es ist, eine Stuckverzierung so zu modellieren, dass sie, von unten betrachtet, ihre volle Wirkung erzielt, obwohl man bei ihrer Erstellung in einer Frontalperspektive davor arbeitet.
So fand sich vieles, das es bei großem beiderseitigem Interesse zu erkunden und erfragen gab, während wir uns Stockwerk für Stockwerk das Gerüst hinunter arbeiteten. Stets mit vorsichtigen und bedächtigen Schritten vorrangehend, besichtigten wir nach und nach die zahlreichen Stuckverzierungen und Figuren am Gebäude.

Leider gibt es kaum noch Kooperation zwischen Bildhauern und Stukkateuren für interessante Fragestellungen wie den Formvorlagenbau, denn auch in diesem Gewerk spielt die Wirtschaftlichkeit einer Baumaßnahme die entscheidende Rolle.
Aber an dieser Situation könnte sich ja etwas ändern … mit Engagement.
An dieser Stelle sei nochmals ein herzliches Dankeschön ausgesprochen an Ingo Reischuck, der sich trotz sehr straffen Zeitplans, Zeit genommen hat eine Gruppe Holzbildhauer über eine aktive Stukkateurbaustelle zu führen.

Wikiwatz

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One Response

  1. dudödldu

    Danke für den Super Bericht!
    (Und die schönen Fotos sowieso)

    Wir könnten noch mehr engagierte Berichte von Noack, Bauhütte . . .
    und der Berlinfahrt im allgemeinen gebrauchen.

    An alle: weitermachen!

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